Themen der Zweiten Moderne

Themengebiete

Eine Philosophie des Westens

Vom kulturellen Begriff des Westens gibt es keine eindeutige Definition. Das ist ein Zeichen seiner Stärke. Er lässt sich nicht eingrenzen, weder geographisch noch ideell. Er war und ist nicht deckungsgleich mit territorialen Gebilden wie Europa oder den USA. Und er ist nicht identisch mit dem Begriff des ‚Abendlands’. Ihn charakterisiert die Fähigkeit, in Krisen immer wieder über sich selbst hinauszugreifen und damit an sich selbst zu wachsen.
Griechische Philosophie, römisches Recht, christliche Religion gehören zu seinen Ursprüngen. Renaissance, Humanismus, Reformation, Aufklärung sind wesentliche Impulse seiner Entfaltung. Imperialismus und Kolonialismus zählen zu seinen dunklen Aspekten. In ökonomischer Perspektive vibriert er seit rund zwei Jahrhunderten in der Spannung zwischen freier Marktwirtschaft und sozialstaatlichen Modellen. In Werten wie der Deklaration allgemeiner Menschenrechte, Demokratie, Rechtstaatlichkeit, Individualismus, Toleranz, Schutz von Minderheiten zeigt er seine fortschrittlichsten Züge.
Wie könnte eine philosophische Landkarte des Westens aussehen – eine, die Entwicklungslinien, Bruchkanten und die Wege ins Offene bezeichnet? Die Frage danach ist der Ausgangspunkt für dieses Seminar.

Die drei Unübersichtlichkeiten der westlichen Moderne

Seit Jahren lässt sich beobachten, wie in der westlichen Welt die Sehnsucht nach einer ‚Neuen Übersichtlichkeit’ wächst. Die postmoderne Freude an der liberalen Demokratie mit einer Pluralität der Lebensstile, dem Austausch der Kulturen, offenen Grenzen und freiem Handel ist vielerorts in Unbehagen umgeschlagen. Forderungen nach einem strikten Grenzregime im geografischen wie im soziokulturellen Sinn und nach Protektionismus werden lauter und zunehmend erfüllt: von Ländern in der EU wie von den USA.
Diese Ordnungspolitik mag populär sein. Zu einer ‚Neuen Übersichtlichkeit’ wird sie nicht führen. Zum Menschenbild, zur gesellschaftlichen Praxis und zum digitalen Habitus unserer Moderne gehört unwiderruflich die Unübersichtlichkeit. Sie zu verstehen, in ihr eine kulturelle Stärke zu sehen, einen verantwortlichen Umgang mit ihr zu skizzieren und zugleich zu zeigen, was Philosophie hierbei leisten kann: das sind die Ziele der Erörterung dieses Themas.

Der freie Geist der Utopie

Vom philosophischen Sinn eines neuen ‚Denkens nach vorwärts’

Der Zeitgeist wirkt utopienfeindlich, in weiten Teilen des Westens und darüber hinaus. So ist es gerade der auf Herkunft beziehbare und darin gegenläufige Begriff ‚Heimat’, der in vielen Ländern Mitteleuropas zur Zeit eine politische Aufwertung erfährt. Und in den USA wie in Großbritannien, in Russland wie in der Türkei: der nationale Blick wendet sich zurück und sucht frühere Größe.
‚Utopie’ ist ein vorwärts weisender Begriff. Er bezeichnet einen gesellschaftlich besseren Ort, den es noch nie gab, der aber geschaffen werden könnte. Das Problem mit Utopien seit ihren philosophischen Anfängen bei Plato: Sie begründen meist Staatswesen mit totalitären Zügen.
Wäre damit ‚utopisches Denken’ keine Alternative zum Zeitgeist? Doch. Folgt man der Logik des Begriffes, kann sich der ‚freie Geist der Utopie’ zeigen. Den Gedankengang zu ihm wollen wir gehen.

Unsere postfaktische Postmoderne

Leben wir in einer Zeit ‚alternativer Fakten’ und ‚Fake News’?

Was ist wirklich? Und was wirkt nur so? Diese Frage beschäftigt die Philosophie seit ihren Anfängen. Die Antworten sind im Laufe der Zeit unterschiedlich ausgefallen. Sie haben aber auf jeden Fall nicht nur erkenntnistheoretische, sondern auch gesellschaftspolitische Relevanz. Das zeigt sich aktuell in Diskussionen darüber, ob wir inzwischen in einer Epoche des ‚Postfaktischen’ leben, in der gefühlte Realität für maßgeblicher gehalten wird als wissenschaftlich ermittelte Daten. Auch ‚alternative Fakten’ und ‚Fake News’ haben in den gegenwärtigen politischen Debatten als Kampfbegriffe Konjunktur.
Philosophisch ist gegenüber dem Begriff des ‚Postfaktischen’ Skepsis angebracht. Er suggeriert, dass es eine Epoche gegeben habe, in der wissenschaftliches Denken objektive Ergebnisse gezeitigt hat und politische Entscheidungen rational, auf Basis eindeutiger Fakten, getroffen wurden. Es gibt gute Gründe, diese Annahmen selbst für ‚Fake News’ zu halten.
Welche Gründe sind dies? Und wie lässt sich der heutige philosophische Begriff von ‚Wirklichkeit’ charakterisieren? Das gilt es in dieser Veranstaltung zu erörtern.

Der vernetzte Mensch

Die Digitale Revolution als Herausforderung für selbstbestimmtes Denken

In der digitalen Erzeugung, Analyse und Verbreitung von Informationen liegen große Chancen für die moderne Wissensgesellschaft. Doch ebenso lauert hier existenzielle Gefahr: die, dass Menschen nicht mehr selbstständig denken und aus eigener Urteilskraft handeln, sondern beides Mikrochips überlassen. Die Befehle, mit denen Computer an den Weltbörsen automatisch Verkauf- und Kauflawinen auslösen können und damit zur Destabilisierung der Finanzsysteme beitragen, illustrieren dieses Risiko; desgleichen die Persönlichkeitsprofile, die sich anhand seiner digitalen Spuren von jedem Nutzer des Internets zeichnen lassen.
Die philosophische Herausforderung angesichts dieser Entwicklung besteht in der Frage, wie die Menschen sich im Informationszeitalter ihre Fähigkeit zur freien Entscheidung, ihr Recht auf Selbstbestimmung und die Deutungshoheit über ihre Daten erhalten können. In diesem Seminar wird die Herausforderung angenommen: indem Grundzüge eines sich selbst behauptenden Denkens im Zeichen der Digitalen Revolution entwickelt werden.

Warum es die Welt nicht gibt

Nichts scheint uns selbstverständlicher zu sein als ‚die Welt’. Durch Geburt kommen wir zur Welt und verbringen das ganze Leben auf der Welt – selbst wenn wir zum Mond oder zum Mars reisen würden. Denn ‚die Welt’ ist mehr als der Planet Erde. Sie scheint der Inbegriff alles Seienden zu sein, wie ein Gefäß, das alles umfasst, auch das expandierende Universum, von dem wir denken können, dass es eine causa prima – eine erste notwendige Entstehungsursache – haben muss. Doch gerade dieses Allumfassende gibt es nicht und kann es auch nicht geben: diese These argumentiert Deutschlands jüngster Philosophieprofessor, Markus Gabriel (* 1980), in seinem 2013 erschienenen Buch „Warum es die Welt nicht gibt“.
In seinem Denkansatz manifestiert sich das große alte Ethos der Philosophen: fragwürdig zu finden, was selbstverständlich scheint. Gabriel aktualisiert dieses Ethos und zeigt in seinem Gedankengang, was Philosophie heute zu leisten in der Lage ist: in Abgrenzung zum Konstruktivismus der Postmoderne einen ‚Neuen Realismus’ zu begründen, von dem aus sich die Welt-Deutungsansprüche der Naturwissenschaften, der Religion und der Kunst bestimmten Gegenstandsbereichen bzw. ‚Sinnfeldern’ zuordnen lassen, in denen vieles erscheint und sich verstehen bzw. erklären lässt – nur nicht ‚die Welt’.
Gabriels Gedankengang lohnt das Nachdenken für jeden, der Sinn und Zweck des Philosophierens kennenlernen möchte. Deshalb werden wir ihm in diesem Seminar nachgehen.

Der menschliche Mehrwert

Ein philosophischer Diskurs über die Marktwirtschaft zwischen Mittel und Selbstzweck

Kein ökonomisches Organisationsprinzip hat in der bisherigen Geschichte bei der Produktion und der Verteilung von Gütern ähnlich viel Wohlstand und Überfluss hervorgebracht wie die moderne Marktwirtschaft. Doch seit Jahrzehnten werden in der westlich orientierten Welt, ausgehend vom angloamerikanischen Raum, die Regeln des Marktes mit ihrer Logik von Kaufen und Verkaufen auf fast alle Lebensbereiche übertragen. Die Marktwirtschaft scheint sich zu einer Marktgesellschaft zu entwickeln.
Aber was geschieht mit kulturellen Werten und zivilisatorischen Errungenschaften, z.B. in den Bereichen von Familie, Partnerschaft, Ausbildung, Politik, Recht, Medizin, Kunst und Sport, wenn sie den Gesetzen von Konsum und Gewinnmaximierung unterworfen werden? Es lassen sich nicht alle gesellschaftlichen Güter angemessen bewerten, indem sie als Ware betrachtet und mit einem Preis gehandelt werden. Viele werden in dieser Perspektive herabgesetzt bzw. auf falsche Weise wertgeschätzt.
Doch wo verlaufen die Grenzlinien? Auf welche Rollen sollten Märkte im öffentlichen Leben und in privaten Beziehungen beschränkt werden? Das sind Fragen, die auf den ‚menschlichen Mehrwert’ zielen – auf die humane Fähigkeit, Vorstellungen vom ‚guten Leben’ zu entwickeln, von unveräußerbaren Werten für das Individuum wie für das Gemeinwohl.
In seinem Buch „Was man für Geld nicht kaufen kann. Die moralischen Grenzen des Marktes“ (2012) erörtert der us-amerikanische Philosoph Michael J. Sandel (* 1953) die Möglichkeiten, den ‚menschlichen Mehrwert’ zu stärken und den Markt über seine dienende Funktion als ‚Mittel zum Zweck’ zu definieren. Kann Sandels Gedankengang überzeugen? Um das herauszufinden, werden wir ihm kritisch nachgehen.

Erinnern oder vergessen?

Wie kann mit den Schrecken der Vergangenheit zum Wohl der Zukunft umgegangen werden?

Erinnern ist ein Grundpfeiler der Kultur. Das Bewahren vergangener Ereignisse im Gedächtnis, die Fähigkeit, Erfahrungen und Einsichten zu überliefern, ist für die Bildung persönlicher Identität wie für den Zusammenhalt von Gesellschaften unverzichtbar. Das gilt auch für die Bewältigung furchtbarer Erlebnisse. Doch dem Gegenteil des Erinnerns, dem Vergessen, kommt ebenso kulturelle Bedeutung zu. Es kann Individuen wie Völkern helfen, sich von den Schrecken der Vergangenheit zu entlasten, alte Gräben im Zeichen der Versöhnung hinter sich zu lassen und der Zukunft neue Impulse zu geben, statt sie mit Ab- und Aufrechnungen zu verstellen. – Wann ist das Erinnern, wann das Vergessen förderlich? Darüber gibt es kontroverse Debatten, insbesondere, wenn es, wie bei Kriegsverbrechen, um den Umgang mit schwerster Schuld geht.
Einen grundlegenden philosophischen Beitrag zum Thema hat bereits Friedrich Nietzsche geleistet: mit seinem Essay „Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben“ (1874). Jüngst, 2010, hat der Historiker Christian Meier das Thema mit Bezug auf geschichtliche Ereignisse des 20. Jahrhunderts wie die Völkermorde im Zeichen des Totalitarismus und den Umgang mit dem Unrecht später gestürzter Diktaturen nach 1989/90 aufgenommen („Das Gebot zu vergessen und die Unabweisbarkeit des Erinnerns“). Die politischen Umwälzungen 2011 in der arabischen Welt werden die Bedeutung des Themas noch verstärken, denn der Umgang mit den Verwerfungen der Vergangenheit wird die Zukunft auch dieser Völker beeinflussen.
Das sind gute Gründe, um aus philosophischer Perspektive anhand unterschiedlicher historischer Beispiele zu erörtern: welche Formen des Erinnerns und des Vergessens der gesellschaftlichen Entwicklung eher zu- bzw. abträglich sein könnten.

Die geistige Situation unserer Zeit, oder:

Der Kampf um die Deutungshoheit über die ‚Zweite Moderne’

Die Neuzeit hat philosophisch nicht einen einfachen, sondern mit René Descartes (1596-1650) und Blaise Pascal (1623-1662) einen doppelten Anfang. Aus ihm gehen wirkungsgeschichtlich zwei Traditionslinien hervor, die in der Gegenwart in zwei deutschen Philosophen ihre bedeutendsten Repräsentanten haben: in Jürgen Habermas (*1929) und in Peter Sloterdijk (*1947). Zwischen beiden Denkern gibt es seit langem Streit. Unterschwellig geht es dabei um die Deutungshoheit über die geistige Situation unserer Zeit. Zurecht? Oder bilden erst beide Positionen zusammen das Profil der ‚Zweiten Moderne’?

Auf der Suche nach sich und der Welt

Die Umpolung des Menschenbildes im Zeichen von Existenzialismus und Postmoderne

Ob Jürgen Habermas (* 1929) von der ‚Unübersichtlichkeit der Moderne’ spricht und deutlicher noch von „der mit sich selbst zerfallenden Moderne“ oder ob Richard David Precht (* 1964) eine Generation später titelt: „Wer bin ich – und wenn ja wie viele?“: Beide Philosophen, so unterschiedlich sie in ihren Denkansätzen sind, beschreiben dasselbe Phänomen. Die Menschen unserer Epoche erfahren ihre Lebenswelt und sich selbst als viel fragwürdiger und fragiler, als das in früheren Generationen der Fall war. Mehr als ein Vortasten zu Identitätsentwürfen auf Widerruf scheint unter den Vorzeichen der fortschreitenden Moderne nicht möglich zu sein. Doch weshalb und wann vollzog sich der Bruch mit der Tradition, in welcher der Mensch als Teil eines Ganzen aufgefasst wurde, das Geborgenheit und Sicherheit gibt – z.B. als Mitglied eines Stammes, als Kind Gottes, als begabt mit universaler Vernunft? Und welche philosophischen Ansätze haben das unsichere Menschenbild der Gegenwart am stärksten bestimmt? Das werden wir in diesem Seminar klären – auf einem Gedankenweg zu unserem modernen Selbst.

„Die schrecklichen Kinder der Neuzeit“

Peter Sloterdijks Analyse der eigendynamischen Triebkräfte der Moderne

Warum bleibt nicht alles beim Alten? Was bewegt die Welt, fordert Fortschritt und bewirkt Revolutionen? Traditionell sind es Historiker und Sozialwissenschaftler, die solche Fragen stellen. Braucht es da noch einen methodischen Neuansatz? Ja, meint Peter Sloterdijk (*1947) – und liefert ihn mit einer kulturpsychologischen These. In seinem Buch „Die schrecklichen Kinder der Neuzeit“ (2014) schmückt er sie auf fast 500 Seiten mit Anschauungsmaterial von der Antike bis zur Gegenwart aus.
Im Kern besagt sein Ansatz: Es sind deregulierte Generationenwechsel, die zum Bruch mit den Vermächtnissen der Alten und damit zur Auflösung der bestehenden Ordnung führen. In Jesus sieht Sloterdijk einen Prototypen dieser Diskontinuität: er habe sich seine (den Evangelien zufolge) unsichere Herkunft zum Startvorteil umgedeutet, das genealogische Band zerrissen und sich als einziger Mensch gewordener ‚Sohn Gottes’ vorgestellt.
Doch Sloterdijks Hauptaugenmerk gilt nicht den Anfängen der abendländischen Kultur, sondern ihrer konsequenten Radikalisierung durch die unruhige Epoche, in der wir leben: der Moderne. In ihr sei die Diskontinuität zum Prinzip erhoben worden – mit Risiken und Nebenwirkungen wie einem latenten Krisenbewusstsein, der ständigen Beschleunigung des Lebens, Problemüberschüssen und der permanenten Kreditvergabe an die Zukunft.
Kann Sloterdijks These überzeugen? Und was folgt aus seinen Überlegungen? Das werden wir bei der Wahrnehmung seines ‚fragwürdigen’ Gedankengangs erörtern.

Gottes Eifer

Die zweifelhafte Rückkehr des Religiösen in die Weltpolitik

Zu den wirkmächtigsten Bildern des Christentums und des Islams gehören apokalyptische Szenerien. Sie werden gegenwärtig vor allem in den USA und im Iran zur Verstärkung der weltpolitischen Konfrontation genutzt. Der Philosoph Peter Sloterdijk sieht in seinem Buch „Gottes Eifer“ (2007) in dem Monotheismus dieser Religionen die Gründe für deren politische Militanz. In ihrem Werk „Gott im Kommen?“ (2007) widerspricht die Theologin und Politikerin Antje Vollmer: das Eifern im Namen Gottes gehe am Kern der monotheistischen Botschaft vorbei. Wie argumentieren die beiden? Und wie überzeugend? Wie weltoffen kann eine monotheistische Religion sein?

„Zorn und Zeit“

Einführung in das Denken Peter Sloterdijks

Sich methodisch und thematisch einen Denkweg durch Peter Sloterdijks rasch wachsendes Werk zu bahnen, ist nicht leicht. Wir werden es dennoch wagen – und werden Sloterdijk als philosophischen Analytiker psychodynamischer Treibsätze kennen lernen, die menschliches Verhalten motivieren und dadurch kulturwirksam werden. Der Zorn ist für Sloterdijk eine solche Triebkraft; sie bestimme von den frühesten Zeiten bis heute Entwicklung und Umbrüche der Kulturen wesentlich mit. Wie – das werden wir entlang des Gedankenganges von Sloterdijks Buch „Zorn und Zeit“ kennen lernen.

Die ‚Weite der Vernunft’

Der Weg zu einer gemeinsamen Sprache im Dialog der Kulturen?

Vernunft – das ist ein Hauptwort der Philosophie, von der antiken Prägung des Logos durch Heraklit bis zur ‚Theorie der kommunikativen Vernunft’ von Habermas. Doch auch die Religionen stehen in einer inneren Beziehung zu diesem Begriff. Vor diesem Hintergrund spricht Papst Benedikt XVI. von der ‚Weite der Vernunft’. In ihrem Zeichen möchte er den Dialog sowohl mit den anderen Weltreligionen als auch mit der Philosophie führen. Kann ein solches Gespräch gelingen? Wo sind Berührungspunkte, wo Unnahbarkeiten zwischen dem sich mitteilenden Theo-Logos und dem Prinzipien-Logos der Philosophie?

Gibt es menschliche Freiheit?

Zu den besonderen Eigenschaften des Menschen gehört es, nicht auf ein bestimmtes Verhalten festgelegt zu sein. Er kann zwischen Möglichkeiten des Handelns abwägen. Doch ist er dadurch schon frei in seinem Tun? Philosophen, Theologen und Naturwissenschaftler geben unterschiedliche Antworten. In dieser Veranstaltung werden ihre wichtigsten Positionen von der Antike bis zur Gegenwart vorgestellt und daraufhin verglichen, inwiefern sie kompatibel sind oder Gegensätze bleiben müssen.

Was ist Gerechtigkeit?

„Ein schöner Traum der Menschheit“, antwortet einer der bedeutendsten Verfassungs- und Völkerrechtler des 20. Jahrhunderts, Hans Kelsen. In seiner Analyse hält er fest, dass es sich um ein Problem der Lösung von Interessen- und Wertkonflikten und der Rechtfertigung menschlichen Verhaltens handle. Doch wie sieht die Lösung des Problems aus – in der Sicht Jesu, Platos, Kants, der Ersten und der Zweiten Moderne? Kann es auf den Schrei nach Gerechtigkeit eine überzeugende Antwort geben?

Der gute Staat?

Politische Ethik

Unser Zusammenleben verlangt nach Regeln. Es ist der Staat, der das Regelwerk organisiert und auf seinem Territorium durchsetzt. Die Form staatlicher Herrschaft unterliegt geschichtlichem Wandel. Sie richtet sich aber stets an der Frage nach dem ‚guten Staat’ aus: Welches ist die beste Begründung und das am meisten überzeugende System staatlicher Gewalt? – Anhand der philosophischen Diskussion dieser Frage werden wir den Weg in den modernen Rechtsstaat von der Antike bis zur Gegenwart nachgehen.

Ein neues Jahrhundert der Aufklärung ?

Das 18. Jahrhundert war eine Zeit des Aufbruchs. In ihm entstand die Epoche der Ersten Moderne und mit ihr das Bild des freien Menschen, der sich demokratisch in Übereinkunft mit seinesgleichen und technisch durch Nutzung der Naturgesetze eine lebenswerte Welt schaffen wollte. Die Erfahrungen mit der Vermassung des Menschen und der Zerstörungskraft der Technik haben diesem Ideal seinen Glanz genommen. Es ist heute kein Vorbild mehr, aber auch ohne überzeugende Alternative. Lässt es sich in der Zweiten Moderne erneuern? Wir werden uns die Aufklärungsidee des 18. Jahrhunderts vergegenwärtigen und Bezüge zur Gegenwart aufbauen.

Chinas Philosophie

Der kulturelle Hintergrund eines aufstrebenden Landes

China ist auf dem Weg, von einer fernöstlichen Großmacht zu einer Weltmacht aufzusteigen. Dabei zeigt sich das Land aufgeschlossen und lernwillig dem Westen gegenüber, wenn es gilt, dessen Technologien zu übernehmen. Wenn es aber um kulturelle Normen geht wie bei der Frage nach den Menschenrechten, vertritt die chinesische Führung selbstbewusst ihre eigenen Vorstellungen. Beide Beobachtungen stehen nicht im Widerspruch, wenn man sich die Entwicklungskontinuität des chinesischen Denkens über mehr als zweieinhalb Jahrtausende von Konfuzius bis Mao vor Augen führt. Genau das werden wir tun.

 

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